Alles eine Frage der Beziehung

1. März, 2026 | Ausgabe I/2026, Der Mensch., Der Mensch. [I/2026]

Cheyenne Nebel und Pferdetrainer sowie Reining-Reiter Lars Nebel plaudern aus dem Nähkästchen über ihr gemeinsames Leben und ein etwas anderes „Bettgeflüster“. Eine pferdische Lovestory, wie sie eine „Romcom“ kaum schöner hätte schreiben können.

 

Autorin: Ines Vollmer

Foto: Christopher Feckler

Was 2021 als spontanes Praktikumsgesuch aus purem „Coronafrust“ begann, wurde für Cheyenne zum Wendepunkt ihres Lebens: Es folgten ein neues Zuhause auf Zeit, ein schwerer Reitunfall zu Beginn ihres Aufenthalts auf dem Hof von Lars Nebel und schließlich die große Liebe. Auf der Suche nach einem Platz für praktische Weiterbildung in der Pferdeausbildung verschlug es die damalige Lehramtsstudentin zu „Nebel Performance Horses“. Aus fünf geplanten Wochen wurden nicht nur Monate der gemeinsamen Arbeit – und schließlich auch der Genesung –, sondern der Beginn eines Lebenskapitels, das heute Pferde, Partnerschaft und ein gemeinsames Leben vereint. Denn ganz nach dem Motto: „Alles oder nichts“ setzten Lars und Cheyenne von Beginn an alles auf die Karte Liebe und traten 2024 schließlich vor den Traualtar. Im gemeinsamen Interview erzählt das Ehepaar, wie es ist, als „Pferdemädchen“ und Pferdetrainer eine Beziehung zu führen, ob Reiter wirklich die besseren Part ner sind oder ob man nicht doch lieber die Beine in die Hand nehmen sollte, sobald das Thema Pferd in einer Beziehung aufkommt. Cheyenne, der Start in die gemeinsame Arbeit war ge prägt von deinem Reitunfall. Was ist damals passiert? Cheyenne: Nach meiner positiven Bewerbung, zog ich mit meinem Pferd und meinen Hunden auf den Hof. Fünf Wochen Praktikum waren geplant. Die erste Woche Praktikum verlief bilderbuchreif, in der zweiten Arbeitswoche ereignete sich dann leider ein Reitunfall, bei dem ich mir bei der Arbeit mit einem Berittpferd das Schienen-Wadenbein gebrochen habe und eine Not-OP erfolgen musste. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ging es für mich erstmal vier Wochen nach Hau se. Mein Pferd blieb währenddessen bei Lars, so dass ich nach der verletzungsbedingten Zwangspause wieder zurück auf den Hof konnte, um mein Praktikum fortzusetzen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine Liebesbeziehung, die natürlich auch mit Lars Besuchen und unserem intensiveren Kontakt während meiner Krankheitspause begann. Der Rest ist Geschichte. Lars, macht es dein Leben leichter oder schwerer, dass Cheyenne ein richtiges Pferdemädchen ist? Lars: Sowohl als auch. Es macht es in dem Sinne schwerer, weil sie sehr wissbegierig ist und immer noch mehr wissen will und noch mehr umsetzen möchte. Dabei ist Cheyenne hundert Prozent pro Pferd und dabei noch eine Spur engagierter als ich. Sie würde am liebsten die Pferde mit ins Wohnzimmer nehmen – aber natürlich nur im Herdenverband! Für mich, der den Betrieb führt, steht auch das Pferde wohl ganz oben auf meiner Liste, aber ich muss auch wirtschaftlich denken und die Trainingspferde so koordinieren, dass sie möglichst viel Bewegung bekommen. Ich versuche, mit dem bestmöglichen zu arbeiten, was unsere Anlage hergibt. Ihre Sichtweise als „Pferdemädchen“ ist absolut bereichernd. Seitdem wir zusammen sind, hat sich auch bei mir sehr, sehr viel geändert – von meinem Mindset her, im Training mit den Pferden und im ganzen Drumherum. Ich habe einen anderen Blickwinkel auf unseren Betrieb und die Arbeit mit den Pferden. Aber – ich bin ganz ehrlich – das macht es nicht leichter, weil ich natürlich auch ihre Erwartungen erfüllen möchte. Manchmal geht das leider nicht, und dann kollidiert es auch bei uns. Wenn ich nicht gerade auf Kursen oder Turnieren uterwegs bin, verbringen wir viel Zeit miteinander. Das funktioniert sehr, sehr gut. Wir können 24/7 sechs Wochen lang gemeinsam in Neuseeland in einem Camping Van auf engstem Raum verbringen und gehen uns dabei nicht auf die Nerven. Das Pferdethema wird nur dann zu einem Problem, wenn es 23 Uhr ist, wir im Bett liegen, am nächsten Tag wieder raus müssen und Cheyenne dann etwas mit mir aus ihrem Pferdetraining besprechen möchte. Dann kommt auch schon mal von mir: „Schatzi, können wir das bitte morgen besprechen?“

Foto: Christopher Feckler

Cheyenne, was hast du gedacht, als klar war: Lars ist jetzt dein Partner, aber auch beruflich Pferdetrainer, der eine eigene Anlage betreibt – Panik oder Jackpot? Cheyenne: Panik hatte ich nie, aber dass er Pferdetrainer ist, war tatsächlich eher ein Übel für mich. Meine Reaktion war nicht: Weil er Pferdetrainer ist, will ich unbedingt mit ihm zusammen sein, und ich finde das alles großartig. Ich bin mit ihm zusammen, weil ich ihn als Mensch liebe. Pluspunkt ist, dass ich auch mit seiner Familie, die mit auf dem Hof lebt, sehr gut zurechtkomme. Das Pferdetrainer-Sein als solches ist für mich aber eher ein negativer Punkt in einer Liebesbeziehung. Auf der einen Seite bin ich als Freizeit-Pferdemädchen, die am liebsten den ganzen Tag nur über Pferde reden und sich immer und überall mit Pferden umgeben möchte, und auf der anderen Seite ist er, der das beruflich macht und in seiner Freizeit gerne auch über andere Dinge sprechen würde. Diese Konstellation wäre mit jemandem, der das nicht beruflich macht, leichter umzusetzen. Außerdem ist er immer sehr viel unterwegs. Positiv sind auf jeden Fall die vielen tollen Begegnungen mit neuen Menschen. Auf unserer Anlage ist immer viel los. Es gibt viele schöne und abwechslungsreiche Seiten. Aber es war jetzt definitiv nie so, dass ich am Anfang dachte: „Oh cool, ich habe einen Pferdetrainer als Freund.“ Lars: Wir haben im Jahr 2025 weit über 20 Kurse absolviert, und 2026 werden es vermutlich mindestens genauso viele sein. Das heißt, ich bin circa 27 Wochenenden im Jahr auf Kursen unterwegs, dazu kommen noch die Turniere an weiteren Wochenenden. Bei 52 Wochen bleibt da nicht ganz so viel Zeit für Zweisamkeit. Hot oder Schrott: Reitunterricht und Tipps zum Pferd vom Partner? Cheyenne: Zu Beginn der Beziehung war das tatsächlich schwierig, heute ist es schon deutlich besser. Damals ist es schnell emotional geworden, wenn er mir etwas erklären wollte, weil ich mich angegriffen gefühlt habe und er das wiederum dann nicht nachvollziehen konnte. Heute funktioniert das viel besser. Lars: Was heute einen großen Unterschied macht, ist, 60 dass sich Cheyenne jetzt auch mehr in die Sportreiterrichtung entwickelt und mehr und mehr die Zusammen hänge dahingehend versteht. Dadurch bildet sich noch einmal ein ganz anderer Konsens in unserem Austausch. Man kann vieles ganz anders besprechen und hat auch andere Ziele mit den Pferden vor Augen. Wo man früher vielleicht noch gesagt hat: „Das macht ihr keinen Spaß, das lassen wir einfach“, zieht man heute in einer „Trai nings-Durststrecke“ auch mal durch. Beispiel: Gymnastizierungsprogramm. Hat man dabei Geduld bewiesen, macht es danach umso mehr Freude, weil ein viel feineres Miteinander mit dem Pferd möglich wird. Bei dem Thema sind wir heute absolut auf einem Nenner. Welchen Stellenwert hat das Thema Pferd, Reiten, Pferdeausbildung in eurer Beziehung und im Alltag? Cheyenne: Ich bin auf jeden Fall ehrgeizig und total motiviert, besser zu werden und dazuzulernen. Dazu höre ich mich viel in den unterschiedlichen Disziplinen des Westernreitsports um, besuche Kurse und schaue über den Tellerrand. Sprich: Es ist auch bei mir in meiner Freizeit, also auch in unserem gemeinsamen Alltag, auf der Tagesordnung. Lars: Das ist auch etwas, was mich wiederum sehr voranbringt. Dadurch, dass Cheyenne sich so intensiv weiterbildet – auch in anderen Sparten des Westernreitsports – und ich dadurch „notgedrungen“ auch mal öfter mitfahre und mir etwas anderes anschaue, profitieren ich und meine Arbeit ebenfalls davon. Freizeit und Arbeit lassen sich also in diesem Punkt nicht trennen. Es macht unser Leben aus. Gibt es bei euch auch irgendwann eine „No-Horse Zone“, beispielsweise im Urlaub, in dem nicht über Pferde gesprochen werden soll? Cheyenne: Schatzi hat schon ein paar Mal gesagt: „Jetzt sprechen wir mal nicht über Pferde!“ Aber das funktioniert meistens nicht. Spätestens wenn man im Urlaub an einer Pferdekoppel steht und ruft: „Guck mal, ein Pferd!“ oder dann doch von Lars der Vorschlag kommt: „Wollen wir mal schauen, ob hier ein Trainer in der Nähe ist?

Cheyenne Nebel begeistert sich für verschiedene Disziplinen des Westernreitsports.
Foto: Gleuchen Fotografie

Mit dem könnten wir uns austauschen.“ Es endet also eigentlich doch immer bei den Pferden. Lars: Ich freue mich dann schon über jede Kuh, die am Wegesrand steht. Eigentlich über jedes Tier, das uns begegnet. Dann bin ich wie ein kleiner Junge: „Oh, guck mal da!“ Bei Pferden dann ganz besonders. Also keine Chance für eine „No-Horse-Zone“, trotz Vorsatz. Wie dürfen wir uns einen Feierabend im Hause Nebel vorstellen? Sitzt ihr romantisch in eurem Blockhaus am Feuer? Cheyenne: Tatsächlich ist es genauso. Kitschig, aber wahr. Wir haben ein Kaminzimmer, in dem wir dann mit den Praktikanten und unserer Angestellten Sophie gemeinsam essen, zusammensitzen, uns über Pferde unterhalten und natürlich auch über andere Themen. Das ist oft eine witzige und entspannte Runde. Im Sommer sitzen wir draußen, grillen oder sind gemeinsam am Reitplatz und schauen irgendjemandem beim Reiten zu, quatschen bis spät abends. Also ist es so, wie man sich die romantische Vorstellung vom Ponyhof ausmalt – Western-Lifestyle eben! Hot oder Schrott – Reiter sind gute und verlässliche Partner? Cheyenne: Ich würde sagen, das kann man nicht pauschalisieren. Natürlich kennt man Personen, die davon überzeugt sind, nie mit einem Reiter zusammen sein zu wollen, weil dieser vermeintlich immer das Pferd an die erste Stelle stellt. Ich denke schon, dass man Menschen, die Tiere haben oder auch Pferde halten, ein hohes Verantwortungsbewusstsein zusprechen kann – vorausgesetzt, sie kümmern sich gut um ihre Tiere.

Lars Nebel verbindet Erfolge im Western- und Reining-Sport mit partnerschaftlichem Pferdetraining.
Foto: Gleuchen Fotografie

Ich würde auch sagen, dass diese Art von Menschen ein besseres Durchhaltevermögen hat. Ob das dann automatisch so in die Partnerschaft übernommen wird, weiß ich nicht. Da für kenne ich leider zu viele Reiterpaare, die keine Beziehung führen, wie ich sie gerne führen wollen würde. Was ist das Nervigste an eurem Partner? In welchen Situationen rollt ihr immer mit den Augen? Lars: Bei Cheyenne sind es definitiv ihre Essgewohnheiten. Es gibt ein paar Lebensmittel, die sie einfach nicht mag, – und die legt sie, nachdem ich mühevoll gekocht habe, demonstrativ an den Tellerrand. Das bricht mir als leidenschaftlichem Koch jedes Mal ein bisschen das Herz. Im Innersten bin ich beim Essen nämlich ein Italiener! Wenn ich also ein Gericht mit viel Liebe komponiere, alles perfekt aufeinander abgestimmt ist und Cheyenne dann anfängt auszulesen – oder, noch schlimmer, sie ihre Spaghetti schneidet, – ja, dann ist Augen rollen bei mir vorprogrammiert. Cheyenne: Meine Essgewohnheiten haben es sogar in die Hochzeitsrede meines Vaters geschafft. Wir waren einmal gemeinsam in seinem Lieblingsrestaurant essen. Dort bestelle ich eigentlich immer das Gleiche. Doch an diesem Abend wollte ich unbedingt etwas Neues ausprobieren. Also habe ich ein anderes Gericht gewählt – und Lars hat stillschweigend das bestellt, was ich sonst immer esse. Als das Essen kam, dachte ich nur: „Mist, warum hast du nicht einfach dein Standardgericht genommen?“ Ich habe mich richtig geärgert. Ohne ein Wort hat Lars dann unsere Teller getauscht und das gegessen, was er eigentlich gar nicht wollte. Mein Vater meinte später, in diesem Moment habe er gewusst, dass Lars der Richtige für mich ist.

Das Paar Nebel bildet ein starkes Team aus Herz, Huf und Pfote.
Foto: Denise Flaak

Cheyenne, und wann rollst du bei Lars die Augen? Cheyenne: Regelmäßig – nämlich dann, wenn er wie der sagt: „Wenn ich dieses oder jenes Ziel erreicht habe, dann bin ich stolz und freue mich!“ Und sobald er das Ziel erreicht hat, kommt direkt: „Weiter geht’s zum nächsten!“ Egal, ob es um die Zahl seiner absolvierten Kurse geht, um 10.000 Follower auf Instagram oder um einen ganz besonderen Turniererfolg: Er gönnt sich keinen Moment, um das Erreichte wirklich zu feiern. Es geht nicht darum, sich auf einem Erfolg auszuruhen, – aber man darf und sollte stolz auf ein Etappenziel sein, bevor man voller Motivation weiterzieht. Cheyenne, drei Dinge, an denen man erkennt, dass Lars Pferdetrainer ist, ohne dass man ihn kennt. Cheyenne: Zum einen auf jeden Fall die Kleidung. Er trägt immer Reitjeans und meistens auch Stiefel. Wenn er mal „normal“ angezogen ist, scherzt unser Umfeld schon nach dem Motto: „Heute Freizeit-Lars – oder was ist da los?“ Es gibt nur drei Tage im Jahr, an denen er eine normale Jeans anhat, – das fällt schon auf. Ansonsten ist es, glaube ich, generell bei Pferdetrainern oft so, dass sie von Mädels umgeben sind, mit denen sie im normalen Leben eher keinen Kontakt hätten. Allein wie viele Frauen ihn anschreiben oder ihn sonst irgendwo ansprechen, fällt schon auf. Im normalen Leben, würde ich sagen, wäre das nicht so. Ich bin zum Glück kein eifersüchtiger Typ. Im Gegenteil: Ich freue mich, wenn sich viele Menschen für seine Arbeit interessieren. Ergänzt bitte den Satz, ein Leben ohne Pferde …? Cheyenne: … kann ich mir nicht vorstellen. Lars: … wäre möglich, ist aber langweilig.