Advertorial Fotos: Swen Nowotka

Autorin: Gabriela Grau

Pferdetrainerin Sandra Schneider von der Akademie für ganzheitliches Pferdetraining spricht mit uns über die wichtigsten Gründe für ein kreatives Training an der Doppellonge.

Longierst Du oder zentrifugierst Du nur?

Longieren gehört für viele Pferdebesitzer zum Training dazu. Doch spätestens bei der Frage „Wie und warum longieren?“ kommen viele Reiter ins Stottern. Trense drauf, Hilfszügel eingeschnallt, Longe dran und los geht’s?! Ganz so einfach ist es nicht. Das bloße Scheuchen in hohem Tempo an der Longe auf einer engen Kreisbahn – auch als zentrifugieren bekannt – kann gesundheitsschädlich wirken. Es dient in der Regel lediglich dazu, das Pferd müde zu machen. Die Pferde belasten in diesem Fall jedoch die innere Vorhand zu stark, finden weder in die Balance noch in den Takt und schon gar nicht in die Losgelassenheit. Sie lernen nicht – und das ist der eigentliche Zweck des Longierens – sich selbst zu tragen. „Sind die Pferde zusätzlich ausgebunden, werden sie mechanisch in eine Körperhaltung gezwungen, die sie vielleicht noch gar nicht halten können. Das führt zu Verspannungen und Schmerzen“, erklärt Pferdetrainerin Sandra Schneider. Wird das Pferd für die Arbeit an der Longe in eine angebliche „Versammlung“ geschnürt, bleibt die tatsächliche Versammlung meistens aus, da das Pferd nur lernt, Hals und Kopf in einer bestimmten Position zu halten, aber nicht die Hinterhand und die Hanken so zu aktivieren, dass es über einen locker aufgewölbten Rücken die Vorhand heben kann.

Interessanter Trainingsimpuls ohne Reitergewicht

Das Training an der Doppellonge eignet sich hervorragend, um das Pferd auf geraden und gebogenen Linien zu gymnastizieren und einfallsreich zu arbeiten. Die beiden Leinen geben dem Pferd einen Rahmen und zeigen ihm damit deutlicher, in welcher Position es laufen soll. Wird die äußere Longenleine um die Hinterhand des Pferdes geführt, animiert sie das Pferd dazu, die Hinterhand mehr zu aktivieren, die Hanken zu beugen und den Rücken aufzuwölben. „Ich schnüre das Pferd mit der Doppellonge nicht mechanisch ein, sondern kann – wie am Zügel auch – im passenden Moment nachgeben, und je nach Verschnallung und persönlichen Kenntnissen sanft Stellung und Biegung herstellen. Es ist sozusagen Reiten vom Boden aus – und das hat viele Vorteile“, erklärt die Pferdetrainerin. „Denn das Pferd muss sich nicht noch auf das Ausbalancieren des Reitergewichts konzentrieren, sondern kann sich voll und ganz auf die Impulse der Doppellonge einlassen. Zügelwirkung, Hinterhandaktivität, Fahren, Arbeit am Langzügel – die Doppellonge ist ein großartiges Tool, um dem Pferd all diese Lektionen konzentriert zu erklären.“ Junge Pferde können daher optimal über die Doppellonge auf das Anreiten vorbereitet werden. Sie lernen am Boden Zügelwirkung und Stimmhilfen kennen. Fortgeschrittene Pferde erfahren über die Doppellonge eine gute Ergänzung zum üblichen Reittraining, da sie sich ausschließlich auf die Hilfen der Longen konzentrieren müssen. „Richtig angewendet, kann die Arbeit an der Doppellonge mehr Feinheit und Leichtigkeit bewirken“, sagt Sandra Schneider.

Gute Grundlage für das Anreiten junger Pferde: Über die Doppellonge lernen Pferde die Zügelhilfen schon am Boden kennen.  Foto: Swen Nowotka
Gute Grundlage für das Anreiten junger Pferde: Über die Doppellonge lernen Pferde die Zügelhilfen schon am Boden kennen.

Voraussetzung für die Arbeit an der Doppellonge

Bevor die beiden Leinen der Doppellonge überhaupt eingeschnallt werden können, braucht ein Pferd-Mensch-Team eine solide Basis. „Bevor ich an einer Longe arbeiten kann, sollte das Pferd die Arbeit am langen Seil kennengelernt haben, bei der der Mensch als treibende Kraft das Pferd nach vorne schickt“, erklärt Pferdetrainerin Sandra Schneider. „Sitzen diese Grundlagen, kann ich mein Pferd an den Kappzaum und an den Longiergurt gewöhnen. Erst wenn diese Grundvoraussetzungen solide sind, kann ich darüber nachdenken, das Pferd mit entsprechenden Übungen auf die Longe um die Hinterhand herum zu gewöhnen und schließlich eine zweite Leine einzuhaken.“

Übungen ohne Pferd

Eine Longe korrekt zu halten, kann zu Beginn schon eine Herausforderung sein. Kommt eine zweite dazu, ist bei vielen Doppellongen-Anfängern Leinensalat angesagt. „Daher ist es äußerst wichtig, nicht einfach ohne die notwendige Erfahrung und Übung mit diesem Trainingsgerät zu hantieren, sondern sich von einem versierten Trainer mit einem ruhigen Pferd in die Geheimnisse der Doppellonge einführen zu lassen“, rät Sandra Schneider.
Die Signale über die Leinen der Doppellonge sollten – wie am Zügel auch – nie ruckartig, sondern immer sanft gesetzt werden. Passt alles, kann die Arbeit an der Doppellonge mit dem Pferd starten. „In meiner Akademie für ganzheitliches Pferdetraining biete ich diese Trainingsmöglichkeit zum Beispiel an“, sagt Ausbilderin Sandra Schneider.

Hinterhandaktivität fördern: Verläuft die Doppellonge über der Hinterhand kann sie – richtig eingesetzt – die Aktivität fördern und das Pferd animieren besser unter seinen Schwerpunkt zu fußen. Foto: Swen Nowotka
Hinterhandaktivität fördern: Verläuft die Doppellonge über der Hinterhand kann sie – richtig eingesetzt – die Aktivität fördern und das Pferd animieren besser unter seinen Schwerpunkt zu fußen. Foto: Swen Nowotka


Das passende Equipment

Eine gute und passende Ausrüstung ist Teil eines guten Longentrainings. Für die Arbeit an der Doppellonge besteht das Equipment aus einem Longiergurt, einem Kappzaum, der Doppellonge und gegebenenfalls einer Longiergerte.

Longe
Der Longenmarkt ist groß. Hier ist die persönliche Haptik tatsächlich entscheidend. „Ich bevorzuge eine Longe aus Biothane. Sie liegt mir am sichersten und angenehmsten in der Hand“, sagt Sandra Schneider. „Ganz gleich aus welchem Material die Longe besteht, sie sollte mindestens eine Gesamtlänge von 16 Metern haben und sich in der Mitte teilen lassen.“

Longiergurt
Der Longiergurt sollte möglichst viele Metallringe in kleinen Abständen haben. Ein Ring auf jeder Seite muss sich dabei auf der Höhe des Buggelenks des Pferdes befinden. Er sollte weich gepolstert sein, keine piksigen Nähte haben und den Widerrist nicht einschnüren. Bei Nylongurten sollten alle Gurtösen stabil ummantelt sein. Ledergurte sollten aus weichem, dickem Leder bestehen.

Kappzaum
Mit oder ohne Gebiss ist hier die Frage – die einen antworten es geht nur mit, die anderen sagen es geht nur ohne. „Ich nutze die Doppellonge gebisslos am Kappzaum. Der muss dem Pferd entsprechend passen“, erklärt Sandra Schneider. Sie rät zur fachmännischen Beratung beim Kauf des Kappzaums. Generell sollte er stabil, aber weich sein. „Eine Serreta wird auch gern als Kappzaum angeboten. Sie eignet sich bei der Arbeit mit Pferden gar nicht, da sie an der Unterseite scharfe Kanten hat, die die Pferdenase verletzen“, warnt die Pferdeausbilderin.