Stechende Insekten strapazieren Pferde nicht nur außerordentlich in der Geduld. Kriebelmücken, Gnitzen, Bremsen und Co. sind in erster Linie Krankheitsüberträger und -auslöser. Wir haben uns die einzelnen fiesen Stecher, ihre Eigenschaften, Vorlieben und Vorkommen einmal angesehen.

Zu den drei gefährlichsten Insekten fürs Pferd zählen die weibliche Kriebelmücke, Gnitze und Bremse. Sie stechen nicht nur schmerzhaft zu, sondern übertragen auch Krankheiten oder lösen allergische Reaktionen aus – teilweise so schwer, dass Pferde an Kreislaufversagen sterben können.

Die Sommerekzem-Auslöser: Kriebelmücke, Stechmücke, Gnitze

Die Kriebelmücke

Die Kriebelmücke. Fotoquelle: commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34916297
Die Kriebelmücke. Fotoquelle: commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34916297

Die weibliche Kriebelmücke zählt – neben weiblichen Gnitzen und Stechmücken – als Sommerekzemauslöser Nummer 1. Ihr Speichelsekret löst beim Pferd gefährliche, teilweise toxische allergische Reaktionen aus. Sehr empfindliche Pferde können sogar mit einem tödlichen Kreislaufzusammenbruch reagieren. Hautreaktionen, Quaddeln, Schwellungen, Koliksymptome, Fieber – all diese Symptome können für eine allergische Reaktion auf Kriebelmücken-Bisse hindeuten.

Kriebelmücken legen ihre Eier vornehmlich an fließenden Gewässern ab, halten sich in Schwärmen in eben diesen Gegenden auf und lauern dort blutrünstig auf ihre Opfer. Ihr Stechziele am Pferdekörper sind insbesondere die weniger behaarten Stellen wie Euter, Ohrmuschel, Hodensack, Bauchnaht Maul, Nase.

Aktivitätszeit: Morgen- und Abenddämmerung im Frühjahr und Spätsommer

Die Gnitze

Die weibliche Gnitze. Fotoquelle: wikipedia.de
Die weibliche Gnitze. Fotoquelle: wikipedia.de

Nach der Befruchtung werden die weiblichen Gnitzen blutrünstig. In Deutschland sind rund 190 Arten dieser Insektenfamilie bekannt. Einige Weibchen mutieren nach der Befruchtung sogar zu Kannibalinnen und saugen ihre Männchen aus. Das Blut benötigen die weiblichen Gnitzen um Eier produzieren zu können. Auch ihre Stiche lösen bei den Pferden allergische Reaktionen in Form von starkem Juckreiz aus, kurz: Sommerekzem. Auch die Gnitzen haben ihre Brut- und Lauerstellen in Wassernähe. Ihre Stechziele sind Kopf, Hals, Schweifrübe, Mähnenkamm, Beine, Kruppe und am Bauch – überall dort am Pferdekörper, wo die Pferdehaare senkrecht stehen.

Aktivitätszeit: Morgen- und Abenddämmerung, insbesondere bei schwülem, gewittrigem Wetter, von Mai bis Oktober

Die Stechmücke

Die weibliche Stechmücke. Foto: pixabay
Die weibliche Stechmücke. Foto: pixabay

Die weibliche Stechmücke fühlt sich ebenso wie ihre beiden anderen Sommerekzemauslöser-Kolleginnen in Gewässernähe wohl. Auch Misthaufen und Waldränder vermitteln ihr ein Heimat-Gefühl. Für ihren Stich nutzt sie ihr Stechborstenbündel, mit dem sie die Haut tief und schmerzhaft durchdringt. Quaddeln, Juckreiz und Ödeme können die Folgen sein. Durch ihr dominantes Stechinstrument zählt sie zu den krankheitsübertragenden Insektenarten, u. a. das West-Nil-Fieber. Die Stechmücke schlägt am liebsten an Mähnenkamm, Brust und Bauch zu.

Aktivitätszeit: August und September

Gefährliche Krankheitsüberträger

Schmerzhafter Angreifer: Die Bremse

Die weibliche Bremse. Foto: pixabay
Die weibliche Bremse. Foto: pixabay

Pferdeschweiß zieht weibliche, blutsüchtige Bremsen magisch an. Sie sticht bevorzugt an Hals und Kruppe schmerzhaft zu. Durch ihren großen Stechrüssel kann sie eine große Menge Blut aufsaugen und zählt daher als Kranksheitsüberträger Nummer 1 unter den stechenden Insekten. Wird die Bremse bei ihrem Stich unterbrochen, bleibt im Rüssel häufig Blut zurück. Sodass sie beim nächsten Stecheinsatz die im Restblut enthaltenen Viren der Equine infektiösen Anämie (EIA), Borreliose oder des West-Nil-Fiebers überträgt. Das aus der Stichwunde austretende Blut lockt zudem Fliegen an.

Aktivitätszeit:  von Juni bis August (regional verschieden), ab dem späten Vormittag, besondere Aggressivität an schwülen Tagen

Bakterienschleuder: Die Fliege

Die Fliege. Foto: pixabay
Die Fliege. Foto: pixabay

Fliegen lieben Mist, Pferdeäppel und Futterreste. Sie dienen der Fliege als Brutstätte. Dadurch ist sie prädestiniert Bakterien zu übertragen. Ihr beliebtes Stechziel am Pferdekörper ist der Kopf, insbesondere die Augen und Nüstern des Pferdes. Besonders an den Pferdeaugen kann das gefährlich werden. Denn Fliegen lecken die Tränenflüssigkeit auf und übertragen so Augenwürmer, die eine Bindehautentzündung auslösen. Auch offene Wunden sind ein beliebtes Anflugziel für Fliegen, da sie dort zu gern ihre Eier ablegen.

Aktivitätszeit: Juni bis Oktober, Mittag und Nachmittag

Die Stechfliege

Die Stechfliege. Foto: Pavel Krok, Fir0002, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2899680
Die Stechfliege. Foto: Pavel Krok, Fir0002, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2899680

Sie unterscheiden sich von der gewöhnlichen Fliege durch ihren stechenden Einsatz. Stechfliegen sind auch bekannt als Wadenstecher oder Weidenstechfliege. Haben sie sich festgebissen, kann ihr Biss mehrere Minuten dauern und ist in der Regel schmerzhaft. Ihr bevorzugtes Stechziele am Pferdekörper sind Bauch und Beine. Stechfliegen zählen zu denjenigen Stechinsekten, die Equine infektiöse Anämie übertragen können. Stechfliegen legen ihre Eier hauptsächlich in Rinderställen und in der Nähe von Rinderweiden ab.

Aktivitätszeit: Juni bis September, tagsüber

Fieser Fellkriecher: Die Hirschlausfliege

Die Hirschlausfliege. Foto: Kymi, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2629833
Die Hirschlausfliege. Foto: Kymi, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2629833

Hirschlausfliegen fühlen sich in der Nähe von Wäldern am wohlsten. Sie krallen sich in den Haaren der Pferde fest, werfen dann ihre Flügel ab und sehen Zecken dann ziemlich ähnlich. Sticht sie zu, schmerzt das die Pferde so richtig. Empfindliche Pferde reagieren auf Hirschlausfliegen daher regelrecht panisch mit Steigen oder Wälzen. Die Hirschlausfliege hält sich am Pferdekörper gern an den Schenkelinnenseiten oder Rumpf des Pferdes auf.

Aktivitätszeit: August bis Oktober

Stille Krankheitsüberträgerin: Die Zecke

Die Zecke. Foto: pixabay
Die Zecke. Foto: pixabay

Zecken werden aktiv sobald die Außentemperatur die 7 °C Marke auf dem Thermometer knacken. Gefährlich sind sie gleichermaßen für Reiter und Pferd. Sie sucht sich unbemerkt ihre Einstichstelle auf dem Körper ihres Wirtes und wird meistens erst dann entdeckt, wenn sie sich bereits festgebissen und vollgesaugt hat. Sie überträgt Krankheiten wie Borreliose, Anaplasmose, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und zahlreiche andere Krankheiten, die unter anderem das Lymphsystem angreifen. Zecken halten sich bevorzug in Laub- und Mischwäldern sowie Wiesen auf und müssen von ihren Wirten „mitgenommen“ werden. Anders verhält es sich bei der aus Asien und Afrika importierten Hyalomma-Zecke. Sie verfolgt ihre Opfer bis zu hundert Meter weit aktiv in einem relativ hohen Tempo. Sie ist Überträger gefährlicher Krankheiten (Krim-Kongo-Fieber), weshalb ihre Verbreitung in Europa von der Wissenschaft streng beobachtet wird.

Aktivitätszeit: März bis Oktober

Magenbelagerer: Die Dasselfliege

Die Dasselfliege. Foto: Fritz Geller-Grimm, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8524387
Die Dasselfliege. Foto: Fritz Geller-Grimm, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8524387

Dasselfliegen sehen Hummeln sehr ähnlich. Über ihr sonores Brummen kündigt die Dasselfliege ihre Präsenz an. Dasselfliegen suchen Pferde nur auf, um an ihren Beinen oder direkt im Nüsternbereich ihre Eier abzulegen, und zählen daher als Endoparasiten. Schubbert sich das Pferd die Beine und leckt sich anschließend das Maul, gelangen die Parasiten in den Pferdekörper, setzen sich auf der Zunge fest und besiedeln schließlich den Darm. Sie werden im Frühjahr über den Kot ausgeschieden und der Existenzkreislauf der Dasselfliege beginnt erneut. Weide und Stall sollten penibel sauber gehalten werden, um das Vorkommen der Dasselfliege einzudämmen.

Die Winterwurmkuren enthalten in der Regel den Wirkstoff um Dasselfliegenlarven im Magen abzutöten. Regelmäßige Wäschen der Pferdebeine entfernen die Eier. In unserer Pferdeseife Kleiner Donner ist beispielsweise Schwarzkümmelöl enthalten. Schwarzkümmel bildet eine Schutzbarriere, Schafmilch pflegt die Haut. Schwarzkümmel wirkt übrigens auch von Innen und kann den Pferden im Sommer zugefüttert werden. „Kleiner Donner“ findet Ihr im ekor-shop.de

Aktivitätszeit: Juni bis September