In der Rubrik „Geschichte“ werden wir zurückblicken auf rund 13.000 Jahre Geschichte zwischen Pferd und Mensch, die zu jedem Zeitpunkt interessante Einblicke in deren Beziehung bietet. Titelbild: Shutterstock


Als die Geschichte zwischen Pferd und Mensch ungefähr um 11.000 vor Christi Geburt im Bereich des sogenannten Fruchtbaren Halbmondes begann, hatten die Menschen es noch mit einer ganz anderen Herausforderung zu tun. Die tatsächlich wilden Vorfahren unserer heutigen Hauspferde kannten den Menschen nicht. Und wieso sollten sie sich als instinktgesteuerte Herdentiere auf ein deutlich schwächeres und andersartiges Wesen verlassen? Sie flüchteten, sobald sich der Mensch ihnen näherte. Sie nutzen ihre gesamte Kraft, um sich ihm zu entziehen.

Wenn man also in der modernen Pferdehaltung von einem „wilden, rohen“ Pferd spricht, dann ist das relativ. Unsere domestizierten Pferden lernen den Menschen, dessen Geruch, Klang und Bewegungsablauf schon wenige Minuten nach ihrer Geburt kennen und akzeptieren ihn als Quelle für Nahrung und Schutz. Vor rund 13.000 Jahren mussten sich die Menschen deutlich mehr einfallen lassen, um ein wildes Pferd zu zähmen.

Domestikation: Jungtiere von der Mutter getrennt

Die ersten sesshaft gewordenen Nomaden entwickelten Werkzeug, Keramik, Vorratshaltung, religiöse Kultstätten und Ackerbau. Die Viehhaltung wurde nur möglich, indem die Menschen lebende Tiere fingen. Da es aus jener Zeit keine schriftlichen Überlieferung gibt, gehen die Geschichtswissenschaftler davon aus, dass die Menschen in den Anfängen der Tierhaltung darauf bedacht waren, zunächst Schafe und Ziegen zu fangen. Sie töten vermutlich das Muttertier, nahmen das neugeborene Zicklein oder Lämmlein mit nach Hause und zogen es mit der Milch von menschlichen Ammen auf.

Anders muss es sich bei den größeren Tieren wie Kühen, Kamelen und Pferden verhalten haben. Den Milchdurst eines solchen Tieres kann ein Mensch nicht stillen. Daher ist davon auszugehen, dass die Menschen um 11.000 vor Christi Geburt Kälber, Kamel- und Pferde-Fohlen eher dann gefangen haben, als sie die Muttermilch nicht mehr brauchten. Wie dieser Zähmungsprozess ausgesehen haben kann, ist reine Spekulation. Kräftemäßig ist ein abgesetztes Fohlen dem Menschen weit überlegen. Daraus ergibt sich die Vermutung, dass die Menschen ein Fohlen von der Herde trennten und in eine tiefe Grube oder Morast trieben. So konnten sie es fangen, anbinden und so lange hungern und dürsten lassen, bis der Wille des Tieres gebrochen war und es sich dem Menschen unterordnete, ihm am Strick folgte und sich in Fußfesseln legen ließ. Gezähmte Stuten ließen die Menschen damals von Wildpferdehengsten decken, sodass sie rasch eine Herde aus relativ zahmen Pferden aufbauen konnten.

Evolution des Pferdes
Das Pferd – wie wir es heute kennen – hat sich über mehrere Millionen Jahre entwickelt. Aus einem 20 Zentimeter großen Eohippus hat sich unser heute bekanntes Pferd entwickelt. Foto: Shutterstock


Indien als Vorreiter in der Domestikation

Dieser Ablauf hat sich zum damaligen Zeitpunkt an vielen verschiedenen Orten der Welt abgespielt. Sie lassen sich unterschiedlich weit zurückverfolgen. So kann die Geschichtswissenschaft heute die Zähmung des indischen Wildpferdes, des sogenannten Siwalikpferdes, auf rund 10.000 vor Christi Geburt datieren, die des algerischen Wildpferdes auf rund 8.000 vor Christi Geburt. Die zahmen Pferde haben sich hauptsächlich durch die Wanderschaften ihrer Menschen verbreitet. Auf diese Weise gelangte das domestizierte Pferd wohl erst etwa 50 nach Christi Geburt in die Mongolei. Wissenschaftler haben im Jahr 2012 bestätigt, dass das erste zahme Pferd in der Mongolei nicht vom Przewalskipferd abstammt. Daraus ergibt sich die Vermutung, dass es zugewandert ist.

Pferdeausbildung zu Kriegszwecken

Dieser Zähmungs-, Vermehrungs- und Wanderschaftsprozess hat die Menschheit einige tausend Jahre beschäftigt. Konkrete Nachweise zum Thema Pferdeausbildung kann die Geschichtswissenschaft erst auf das Jahr 1.300 vor Christi Geburt datieren. Kikkuli aus dem Lande der Mitanni (heute Syrien) hat auf vier Tontafeln die Ausbildung von Wagenpferden skizziert. Damals dienten Streitwagen dazu, sich fremde Besitztümer und Territorien anzueignen. Diese Wagenpferde waren damals nicht größer als 1,25 Meter. Der große Nachteil von Streitwägen war jedoch, dass sie nicht in bergigen Gebieten eingesetzt werden konnten. Erst ab diesem Zeitpunkt wurde die Reiterei zum zentralen Interesse der Menschheit.

Das Przewalskipferd
Przewalskipferde sind extrem kälteharte Wildpferde, die ihren Ursprung in Kasachstan und der Mongolei haben. Die Wissenschaft geht davon aus, dass das Przewalskipferd etwa 250.000 vor Christus entstanden ist und um 12.000 vor Christus eine Gen-Mutation durchlebte, die zu zwei weiteren Chromosomen führte. Daher wird das Przewalskipferd streng genommen heute nicht als reines Pferd bezeichnet. Die uns heute bekannten Pferde besitzen 64 Chromosomen.